Auszüge der Rede von Wolfgang Bonk zur Ausstellungseröffnung

“Zeit ist eine Trinität, bestehend aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Durch die permanente Vergängerlichung der Zeit wird aus der Gegenwart zukünftige Vergangenheit. Das ist ein Prozess, der so lange anhalten wird, bis alle Zeit verbraucht ist. Diese These wird allerdings nicht von allen geteilt. Ja, sie hat sogar heftigen Widerspruch ausgelöst. Hier kommt uns unwillkürlich Theodor Subbelrath in den Sinn. Dessen Leben und Wirken wird derzeit, bedingt durch das Lutherjahr, ungerechtfertigterweise in den Hintergrund gedrängt. Theodor Subbelrath war seiner Zeit stets voraus. Er hat schon frühzeitig Dinge kommen sehen, die später nie eingetroffen sind. Dennoch verdanken wir unser modernes Weltbild diesem großen Theoretiker der allgemeinen Besonnderheiten und dem noch größeren Praktiker der besonderen Gemeinheiten. Mit seinem unbestechlichen Scharfsinn hat Theodor Subbelrath festgestellt, dass die Zeit der Vergangenheit vergangen und somit weg ist, die Zeitspanne der Gegenwart den Grenzwert 0 anstrebt und die Zukunft noch gar nicht da ist. Zeit ist und war also nie existent.

…Wir sind hier unter dem Motto Vergänglichkeit zusammengekommen. Vergänglichkeit an sich ist zeitlos, aber dennoch eingebettet in der Zeit. Ohne Zeit wäre Vergänglichkeit vergeblich und nicht sinnstiftend. …
Experten taxieren den Beginn der Zeit in der Urzeit. In der Urzeit gab es noch keine Uhrzeit. Kein Mensch konnte sich verspäten. Das wäre aber auch egal gewesen, weil es noch keine Menschen gab. Daher meine persönlichen Worte an Sie. Lassen Sie bitte das anstehende Wochenende nicht ungenutzt verstreichen. Vermeiden Sie gewissenhaft Mangelerkrankungen. Lassen Sie sich von der Realität nicht verarschen. Ich bin überzeugt, dass ich mit meinen vorangegangenen Worten die Vergänglichkeit des menschlichen Denkvermögens überzeugend nachgewiesen habe.”

Geliebte Vergänglichkeit

Gemälde und Objekte von Regina Nußbaum im Hinterhofsalon

Die Künstlerin Regina Nußbaum zeigt unter dem Titel Geliebte Vergänglichkeit abstrakte Gemälde und Objekte im Hinterhofsalon im Herzen von Köln.
In zunehmendem Maße verändert sich unser Leben: Soziale Strukturen, technische Entwicklungen, persönliche Lebenssituationen scheinen sich wie im Zeitraffer zu wandeln. Statt mit den Veränderungen zu ringen und sie als Bedrohung zu empfinden, lädt die Künstlerin mit der Unterstützung ihres Lieblingsdichters Rainer Maria Rilke und einem Augenzwinkern zur Umarmung der Vergänglichkeit ein.

„Man muß nie verzweifeln, wenn etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muß, fällt ab; was zu uns gehört, bleibt bei uns, denn es geht alles nach Gesetzen vor sich, die größer als unsere Einsicht sind und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen. Man muß in sich selber leben und an das ganze Leben denken, an alle seine Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zukünfte, denen gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt“.
Brief von Rainer Maria Rilke an Friedrich Westhoff, Rom, 29. April 1904

Die Werkschau der Künstlerin enthält Titel wie Transformation und Heaven on Earth.

Finissage: Sonntag, 9. Juli 2017, 17.30 – 19.30 h

Die Ausstellung Geliebte Vergänglichkeit ist vom 12. Mai bis 9. Juli 2017 im „Hinterhofsalon“, Aachener Straße 68, 50674 Köln, zu sehen.

www.hinterhofsalon.de

Kontakt:
Regina Nußbaum, Gutenbergstraße 56, 50823 Köln,
0172-96 86 983, info@regina-nussbaum.de